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« Wer keine Visionen hat, vermag weder grosse Hoffnungen zu erfüllen, noch grosse Vorhaben zu verwirklichen. »Philippe Hort, Geschäftsführer

Was steuert den Menschen – der Verstand oder das Gefühl?

Die Frage nach Gefühl oder Verstand wird mit einer Vielzahl von Begriffen beschrieben. So beschreiben Begriffe wie Geist, Denken, Vernunft oder Rationalität Verstand zwar nicht vollständig, meinen dies aber. Begriffe wie Emotionen, Triebe, Affekte, Instinkte oder Intuition hingegen werden mit Gefühl assoziiert. Die Frage nach Verstand und Gefühl wird aus gutem Grund auch in der Hypnose Ausbildung beleuchtet. Denn in der Praxis spricht der Therapeut nach seiner Hypnose Ausbildung bei der therapeutischen Arbeit in erster Linie die Gefühlsebene seines Klienten an.

Der Mensch und das Tier

Unter anderem erfahren die angehenden Therapeuten in ihrer Hypnose Ausbildung, dass Gefühle in der westlichen Kultur dem Reich der Tiere zugeordnet werden, wo Gefühle im Lauf der Geschichte keinen allzu hohen Stellenwert hatte. Eine Ausnahme bildeten lediglich einzelne Epochen wie etwa die Zeit der Romantik Der Grund: Weil Gefühle chaotisch und schwer zu beherrschen sind, gilt der Verstand seit jeher als edler und reiner. Deshalb strebte der Mensch danach, das Animalische in sich zu beherrschen und das Tier in sich zu dressieren, um das Menschliche und Edle besser zum Vorschein zu bringen. Diese Einstellung hatte bis in die jüngste Vergangenheit hinein Gültigkeit, steht derzeit aber unter Beschuss.

Auch das hat einen guten Grund: Denn die rationalen Optimierungsversuche bewirken nichts durchgehend Gutes. Denn dass der Mensch vernünftig ist, während das Tier an sich eigentlich dumm, dafür aber instinktsicher ist, bedeutet nicht unbedingt, dass der Mensch gegenüber dem Tier im Vorteil ist. Somit hat sich auch die Beziehung zwischen Mensch und Tier im Lauf der Geschichte mehrfach gewandelt.

Wovon hängt die Frage nach Verstand oder Gefühl ab?

Die Frage nach Gefühl oder Verstand wird sehr stark von Bildern und Erzählungen geprägt, wobei mit Erzählungen aber keine Märchen gemeint sind, weil jedem klar ist, dass diese nicht wahr sind. Jedoch prägen Erzählungen aller Art die Sicht des Menschen auf die Welt und auch die Sicht auf Gefühl und Verstand. Sehr oft wird in der westlichen Kultur der Verstand mit der Rolle des Mannes assoziiert, während die Frau mit Gefühl gleichgesetzt wird. 

Der Mensch war lange davon überzeugt, er müsse die Natur und damit auch seine Triebe kontrollieren, der Mann war ferner danach bestrebt, auch die Frau zu kontrollieren. Deshalb schaut der westliche Mensch oft auch auf andere Kulturen, die in der Vergangenheit ein anderes Verständnis von Gefühl und Verstand hatten. Denn bis vor nicht allzu langer Zeit wurde der Frau im Westen abgesprochen, Verstand zu haben. Vielmehr wurde sie als moralisch geschwächt betrachtet, auch wenn dies heute völlig absurd erscheint. In anderen Kulturen sind Verstand und Gefühl nicht so strikt getrennt.

Verstand und Gefühl als Kommunikationssysteme

Betrachtet man das Affektsystem aus einer gewissen Distanz heraus, handelt es sich beim Affektsystem sowohl um ein motivationales als auch um ein Kommunikationssystem, das erstmals bei höheren Säugetieren aufgetreten ist. Denn das einzelne Individuum ist biologisch kostbar und muss besser umsorgt werden. Durch die Affekte konnte die Mutter sehen, dass es ihrem Jungen an etwas mangelte, weshalb es ungemein wichtig ist, dass Jungtiere von Geburt an Affekte ausdrücken können.

Deshalb haben Affekte einen unmittelbaren Charakter, weil das Problem, das ausgedrückt wird, jetzt in diesem Augenblick besteht. Hier ist es also auch nicht vonnöten, für die Zukunft zu planen, weil nur der Augenblick zählt. Somit sind Affekte unmittelbare Reaktionen auf die Umgebung, und zwar so unmittelbar, dass sie nicht unterdrückt werden können. Konzentriert sich der Therapeut nach seiner erfolgreichen Hypnose Ausbildung kann er bei der Konzentration auf Mikroemotionen folglich sehr viel über seinen Klienten erfahren.

Darüber hinaus hat sich ein weiteres System gebildet, nämlich die Sprache, die sehr komplex ist. Im Lauf der Entwicklung eines Individuums schlägt sich die Sprache ebenso wie das andere Kommunikationssystem nieder, sodass beide Systeme untrennbar miteinander verwachsen. Die Sprache ermöglicht es dem Menschen, seine Rationalität und andere Empfindungen zu entfalten und auszudrücken. Denken und fühlen bedingen sich also ganz direkt, was sehr komplexe Konsequenzen zur Folge hat.

Mehr Ordnung durch Entwicklungsstufen

Eigentlich wird die Frage nach Verstand oder Gefühl falsch Gestellt, allerdings bleibt der Eindruck, dass einer dieser beiden Aspekte den anderen in bestimmte Situationen immer wieder überragt. Diesem Thema hat sich auch die Entwicklunspsychologie gewidmet, wobei einige Forscher bestimmte Aspekte der menschlichen Psyche betrachtet haben. Nämlich die Moral, die Kognition oder die Bedürfnisse. Andere Forscher hingegen haben die Gesamtpersönlichkeit gründlicher erforscht. Diesem Bereich haben sich vor allem die Psychoanalytiker gewidmet, welche die Entwicklung von Kindern beobachtet haben.

Denn Kinder können Affekte bereits am Anfang ihres Lebens äußern, während sie weder rationales Denken noch Sprache beherrschen. In dieser Lebensphase sind Menschen also dominant affektive oder emotionale Wesen, wie die angehenden Therapeuten in ihrer Hypnose Ausbildung erfahren. Das ändert sich aber schon bald, weil es vorsprachliche rationale Muster gibt. Diese lernen Kinder durch Nachahmungen und Wiederholungen, auch wenn daraus noch kein reifes, rational abwägendes Ganzes entstanden ist.

Weil Kinder bedürftig geboren werden, sind sie auch narzisstisch. Zugleich ist es angeboren, schon früh im Leben mit anderen zusammenzuarbeiten. Die Welt und der Aktionsradius eines Kinds erweitert sich in den ersten Lebensjahren in einem rasenden Tempo, wobei es hier verschiedene Entwicklungsstufen und auch Weltbilder gibt. Die Annahme, dass Kinder am Anfang nach wie vor Egoisten sind, ist wohl nicht falsch. Es kommt aber auch der Zeitpunkt, ab dem Kinder in der Lage sind, Verbote und Grenzen von außen zu verarbeiten.

Das spitzt sich in der sogenannten Trotzphase zu, was eine enorme Herausforderung für die Eltern darstellt. Für das Kind ist die radikale Verweigerung dagegen eher ein unbewusstes Testen ihrer eigenen Möglichkeiten. Zwar scheitert das Kind damit, allerdings lernt es daraus unmittelbar und wird zu einem egoistischen Teamplayer. Die Rational ist nun zum ersten Mal in der kindlichen Entwicklung eine relevante Größe. Das Kind fängt an zu handeln und mit jeder Niederlage werden ihm seine Grenzen erneut bewusst. Das, so lernen die angehenden Therapeuten in der Hypnose Ausbildung, ist wichtig, damit die Kinder die Bedeutung von Rollen und Regeln lernen.

Diese Niederlagen bedeuten aber keinen ernsthaften Rückschlag für das Kind. Denn es passt sich sehr schnell an die neuen Regeln an, weil ein Kind nicht nur egoistisch  ist, sondern auch kooperieren kann, was es auch gerne tut. Kinder suchen sich nämlich sogar etwas, bei dem sie helfen können, wodurch sie zugleich auch aus dem Egozentrismus ausbrechen und in ein System einfügen, von dem sie auch profitieren, was ihnen durchaus auch Spaß machen kann. Läuft alle gut, bekommen sie sogar Anerkennung und Schutz. In dieser Welt dominiert nun die Rationalität.

Diese dominiert auch dann noch, wenn das Kind älter geworden ist und anfängt, die Rollen zu hinterfragen. Nun öffnet sich für das Kind zu den eigenen Möglichkeiten und Träumen. 

Bei dieser Entwicklung kommt es oft dazu, dass die Emotionen teilweise unterdrückt werden. Welchen Teil die Kinder dabei unterdrücken, hängt von der Kultur ab, in der sie aufwachsen. Ist diese Entwicklung abgeschlossen, schafft der Mensch es in aller Regel, sei Ich und die Gesellschaft, aber auch die rationalen und emotionalen Anteile  in einem Ausgleich zu bringen, sodass er in einem dynamischen Gleichgewicht lebt.

Im Endeffekt wird der Mensch also sowohl von Verstand als auch Gefühl angetrieben. Allerdings in unterschiedlichen Mischungsverhältnis, wobei hier die individuelle Entwicklungslinie natürlich auch eine Rolle spielt.