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« Wer keine Visionen hat, vermag weder grosse Hoffnungen zu erfüllen, noch grosse Vorhaben zu verwirklichen. »Philippe Hort, Geschäftsführer

Schwere Krankheiten: Wenn die ganze Familie leidet

Leiden die Eltern oder eines der Elternteile unter einer schweren Erkrankung, werden auch die Kinder gefordert. In vielen Fällen sogar stärker, als sie ertragen können. Es besteht aber auch die Chance, dass sie an dieser Belastung reifen. Notwendig ist dafür eine frühzeitige Unterstützung. Wie sie betroffene Kinder angemessen unterstützen können, lernen angehende Therapeuten im Rahmen ihrer Mentalcoach Ausbildung.

Aus dem Leben einer Betroffenen

Selbstverständlich werden die angehenden Therapeuten in ihrer Mentalcoach Ausbildung auch über Fallbeispiele informiert. Beispielsweise erfuhr ein neunjähriges Mädchen, das zu dieser Zeit bei seiner Großmutter lebte, dass bei ihrer Mutter Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert worden war. Diese Nachricht war für das Mädchen zu schrecklich, als dass sie sie wahrhaben wollte. Und dieser Zustand hielt mehrere Wochen lang an. Das Mädchen weinte in der Schule sehr viel und besuchte die Mutter mindestens einmal pro Woche in der Klinik. Der einzige Halt für sie und ihren Bruder war in dieser Zeit die Großmutter, weil der Vater, ein LKW-Fahrer, unter der Woche nicht zu Hause war.

Warum auch Kinder betroffen sind

In de Mentalcoach Ausbildung erfahren die angehenden Therapeuten mehr über die Hintergründe. Denn das Leben der Kinder ist auf eine vielfältige Weise betroffen, wenn eines der Elternteile an einer schweren Krankheit leidet. Ihren gewohnten Alltag gibt es nun nicht mehr und sie befinden sich in einer besorgniserregenden Situation. Hinzu kommt, dass ihre Vertrauenspersonen selbst auch mit Ängsten zu kämpfen haben. Die Kinder sind nun mehr gefordert und müssen oft auch mehr Aufgaben übernehmen als Gleichaltrige. Etwa, waschen, kochen oder organisieren.

Diese zusätzliche Belastung wiederum kann sich auf das Verhalten und sogar auf die psychische Gesundheit der Heranwachsenden auswirken. Jedoch ist nicht klar, wie viele Heranwachsende mit dieser Situation konfrontiert sind. Schätzungen gehen davon aus, dass rund fünf bis sechs Prozent der zehn- bis 19äjährigen Angehörige zu Hause pflegen. Allein in Deutschland wären demnach rund 480.000 Kinder und Jugendliche betroffen.

Wie finde ich mich in der Welt zurecht?

Georg Romer, seines Zeichens Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik in Münster, erläutert: Das Urvertrauen von Kindern baue im Wesentlichen auf dem Bild auf, dass Eltern unverwüstlich sind. Dieses Bild wird nun aber zerstört, wenn die Eltern an einer schweren Krankheit leiden.

Damit sich die Kinder trotzdem in der Welt zurecht finden können, müssen sie sich anpassen, früher selbstständig werden und in der Familie mehr Verantwortung übernehmen. Dadurch merken die Kinder, dass sie selbst etwas dazu beitragen können, damit es Mama oder Papa besser geht. Das wiederum ist auch hilfreich gegen Ohnmachtsgefühle beiden Kindern, was sich später auch in den Berufswünschen der heranwachsenden widerspiegelt. Feststellen lässt sich nämlich, dass betroffene Jugendliche häufig einen Beruf im therapeutischen oder medizinischen Bereich wählen.

Ein großer Teil der betroffenen Kinder reift an dieser Belastung und entwickelt keine psychischen Probleme. Allerdings lässt sich auch immer wieder beobachten, dass Kinder und Jugendliche etwa zwei Jahre später psychisch einbrechen und ernsthafte psychische Erkrankungen entwickeln. Das trifft etwa auf ein Drittel der Betroffenen zu, so die Ergebnisse des europaweiten Projekts COSIP. Die untersuchten Minderjährigen litten öfter an psychosomatischen Beschwerden, ängstlich-depressiven Symptomen und hatten öfter Lernschwierigkeiten. Diese Rate war dreimal so hoch wie bei Kindern, die von diesem Problem nicht betroffen sind.