Mindventure
« Wer keine Visionen hat, vermag weder grosse Hoffnungen zu erfüllen, noch grosse Vorhaben zu verwirklichen. »Philippe Hort, Geschäftsführer

Das Emotionsprofil: der Weg zur Selbsterkenntnis

Es gibt Menschen, die in anderen Menschen wie in einem offenen Buch lesen, während sie anderen total verschlossen erscheinen. Dann gibt es Menschen, die in allem das Gute sehen, während andere pessimistisch durch das Leben gehen. Das sind einige Eigenschaften, die das Erlebnis und Verhalten eines Menschen grundlegend prägen. Diese Eigenschaften werden in der Hypnose Ausbildung ebenso angesprochen wie die sechs Dimensionen des Emotionsprofils. Das hat auch einen guten Grund: Nach ihrer Hypnose Ausbildung müssen die angehenden Therapeuten in der Praxis sehr gut sehen können, um mit ihren Klienten zu helfen. Ein wichtiger Punkt, der in der Hypnose Ausbildung vermittelt wird, besteht nämlich darin, die Klienten auf dem Weg zur Selbsterkenntnis zu begleiten.

So haben manche Menschen ein hervorragendes Händchen dafür, die Emotionen von anderen Menschen intuitiv zu spüren und Fragen genau im richtigen Augenblick zu stellen. Die „soziale Intuition“ dieser Menschen ist sehr gut ausgeprägt. Andere Menschen wissen hingegen sehr gut, wie es um ihr Innenleben bestellt ist und nehmen sich selbst hervorragend wahr. Dann gibt es Menschen, die Schicksalsschläge sehr gut überwinden können. Allerdings treffen diese Aspekte nicht einzig und allein auf einen Menschen zu. Der emotionale Stil eines Menschen lässt sich besser mit sechs Merkmalen beschreiben, wie Richard Davidson, seines Zeichens Hirnforscher und Psychologieprofessor an der University of Wisconsin.

Demnach besteht das Emotionsprofil eines Menschen aus sechs Dimensionen: Resilenz, Selbstwahrnehmung, die Neigung zu negativen oder positiven Gefühlen, Aufmerksamkeit, soziale Intuition und Kontextsensibilität. Jede dieser Dimensionen stellt ein Kontinuum dar, in dem sich zwei Pole befinden. Die Position, die ein Mensch auf diesen Positionen befindet, zeigen an, wie er die Welt sieht und auf seine Umwelt reagiert. Das Leben ist individuell also völlig unterschiedlich gefärbt.

Die Dimension der Resilienz entdeckte Davidson bei der Beobachtung, dass Menschen Schicksalsschläge unterschiedlich schnell überwinden und diese sich auch hinsichtlich ihrer Hirnaktivität unterscheiden. Er führte ein Laborexperiment durch, in dem er negative Gefühle bei seinen Versuchspersonen weckte. Das erreichte er durch das Vorlegen verstörender Bilder. Anschließend erfasste er über die Schreckreaktion des Auges, wie schnell sie sich von den negativen Gefühlen erholten.

Das verrät der Wimpernschlag

Davidson spielte den Versuchspersonen völlig unerwartet einen Ton vor. Auf diesen Überraschungseffekt reagierten sie reflexhaft mit einem Wimpernschlag. Dieser fällt umso stärker aus, je negativer der emotionale Zustand eines Menschen ist. Wie die aktuelle Gefühlslage eines Menschen ist, lässt sich also anhand dessen ablesen, wie stark die Muskelkontraktion ist.Neben der Muskelkontraktion erfasste Davidson zugleich die Hirnaktivität.

Dabei stellte der Forscher fest, dass bei jenen Versuchspersonen, die sich schneller vom unangenehmen Anblick erholt hatten, die Aktivität im linken präfrontalen Kortex, dem Stirnhirn, die Aktivität größer war. Diese Region des Gehirns ist eng mit allen anderen Gehirnteilen vernetzt, sodass sie weitere Regionen hemmen oder aktivieren kann. Weitere Experimente zeigten, dass dieser Bereich der Großhirnrinde eng mit den Mandelkernen verbunden ist, die insbesondere bei negativen Emotionen wie Angst aktiv sind. Daraus schlussfolgerte er, dass die unangenehmen Gefühle deshalb so schnell verschwinden, weil die Mandelkerne durch die hohe Aktivität des linken Stirnhirns rasch beruhigt werden.

Im Folgenden entdeckte Davidson weitere Dimensionen des menschlichen Emotionsprofils. So nahm er etwa in Zusammenhang mit Depressionen das neuronale Netzwerk unter die Lupe. Dieses regt positive Empfindungen an, die Menschen, welche unter Depressionen leiden, zumindest teilweise fehlen. Er zeigte den Versuchspersonen Filme die angenehme Gefühle weckten und forderte sie auf, zu versuchen, diese Gefühle länger andauern zu lassen. Zugleich zeichnete er die Hirnaktivität mit bildgebenden Verfahren auf.

Dabei beobachtete Davidson eine Anomalie bei der Aktivierung eines Kerngebietes im Belohnungssystems. Zwar regte sich dieses Gebiet bei positiven Anreizen ebenso wie bei gesunden Menschen, jedoch erlosch diese Aktivität bei depressiven Menschen schneller. Das Stirnhirn ist im Normalfall dafür verantwortlich, dass freudige Ereignisse länger nachklingen. Menschen, die unter Depressionen leiden, können zwar auch positive Emotionen empfinden, die jedoch relativ schnell wieder verblassen, weil sich das Belohnungszentrum offensichtlich nur kurzzeitig regt. Der Grund dafür ist eine unzureichende Verknüpfung mit dem Stirnhirn.

Das soziale Gespür

Die Dimension „soziales Gespür“ formulierte Davidson, nachdem er Menschen beobachtet hatte, die unter Autismus leiden. Diese haben Schwierigkeiten damit, Gefühle bei ihren Mitmenschen wahrzunehmen und nonverbale Signale richtig aufzufassen. Zum einen zeigt eine Region des Gehirns, welche dem Menschen Informationen über die Gefühle anderer Menschen liefert, zu wenig Aktivität, während die Mandelkerne wiederum regelrecht hyperaktiv sind. Das wiederum bereitet den Autisten Unbehagen, wenn nicht sogar Angst, sodass sie ein Vermeidungsverhalten hinsichtlich der Gefühle anderer Menschen zeigen. Davidson schloss daraus, dass ein neuronales Netzwerk dafür verantwortlich ist, dass ein Mensch Gefühle in den Gesichtern anderer Menschen lesen kann.

Wie sich die Aktivität im Stirnhirn von Mensch zu Mensch unterscheidet

Es sollte Jahrzehnte dauern, bis Davidson sämtliche Dimensionen, welche den individuellen emotionalen Stil ausmachen, identifiziert hatte: Neben den genannten Dimensionen gehören dazu auch die Aufmerksamkeit, die Kontextsensibilität und die Selbstwahrnehmung. Zu seinen Erkenntnissen gehörte, dass der präfrontale Kortex eine äußerst wichtige Rolle im Emotionsprofil eines Menschen spielt. Dass Menschen grundverschieden sein können, liegt nach Davidson, dass sich die Aktivität im Stirnhirn bei zwei Menschen um den Faktor 30 unterscheiden kann.